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Helmschmied, Abiturfeier 1996

15.06.1996

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

sehr geehrte Eltern, verehrte Kolleginnen und

Kollegen, meine Damen und Herren!

Der 15. Juni 1996, ein besonderer Tag in mehrerlei Hinsicht. Zunächst und hauptsächlich für Sie, unsere Schüler der 13. Klassen, und wenn ich von „unseren“ Schülerinnen und Schülern spreche, so ist das in wenigen Minuten schon wieder Vergangenheit und stimmt so nur noch mit dem Attribut „ehemalig“, an das wir uns sicher eine Zeit lang gewöhnen müssen.

Sie haben heute einen bedeutsamen Abschnitt in Ihrem jungen Leben erreicht. Abitur von lateinisch „abire“ - Abgang von der Schule, im Regelfall nach 13 Schuljahren, bestätigt und verbunden mit der Zuerkennung einer gewissen geistigen Reife durch ein Formular, das im Gegensatz zu sonstigen Formularen dieser Art unser Dienstsiegel trägt und kurz „Reifezeugnis“ heißt. Der heutige Tag ist aber auch ein besonderer Tag für Sie, sehr geehrte Eltern. Mit Liebe und Fürsorge haben Sie Ihre Kinder diese 13 Schuljahre begleitet, haben bis zuletzt mit ihnen vor der Abiturprüfung gezittert und die Daumen gedrückt. Vielleicht hat es ja auch geholfen, denn der Glaube versetzt bekanntlich Berge …

Heute ist aber auch für die Gemeinde Erkner ein besonderer Tag, der sicher Eingang in die Ortschronik finden wird. Nach fast 40 Jahren wieder ein Abiturjahrgang in Erkner! Als 1958 die letzten Abiturienten die ehemalige Theodor- Fontane- Schule verließen, wurde diese als Oberschule aufgelöst. Fortan mussten die nach höheren Weihen strebenden Schüler nach Rüdersdorf fahren, weil dort ein Zentrum entstand. Inzwischen ist unser Gymnasium fünf Jahre alt, also Grund auch für uns Lehrkräfte, einen kleinen runden Geburtstag zu feiern. Vor drei Jahren, mit Ihrer Aufnahme in die gymnasiale Oberstufe, wurden wir das eigenständige Gymnasium Erkner, und nicht nur für Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, auch für die meisten Ihrer Lehrer war es das erste Abitur nach neuem Recht... Die Freude über das bestandene Abitur, das wohltuende Entspannen nach dem Prüfungsstress, ein Gefühl, das Sie mit Ihren Lehrern teilen. Vor 13 Jahren, am 1. September 1983, schnupperten Sie das erste Mal Schulluft und manche Mütter werden heimlich eine Träne weggewischt haben, als Sie mit Ihrer neuen Klassenlehrerin im Klassenraum verschwanden. 13 Jahre, je nach Sicht und Alter des Betrachters, eine lange, aber auch kurze, auf jeden Fall aber geschichtsträchtige Zeit, die Sie bewusst erlebt haben. Angefangen hat es mit dem roten - oder war es das blaue? - Halstuch, dann kamen die Pioniergebote, das Pionierehrenwort. Der Gruppenratsvorsitzende war stolz auf seine Funktion und Vorbild beim Aufstehen zur Begrüßung mit „Seid bereit!“ Erinnern Sie sich noch? Ja, und dann jener denkwürdige 9. November 1989, als die Mauer fiel und am Tag danach sicher auch Ihre damalige 7. Klasse halb leer war, weil Ihre Eltern zusammen mit Ihnen in Westberlin waren. Vielleicht haben Sie ja sogar eine Schulstrafe erhalten?! Auf jeden Fall war dieses 7. Schuljahr von Turbulenzen gekennzeichnet. Nichts war mehr so wie früher, überall gab es täglich Veränderungen, auch in der Schule. Gegrüßt wurde wieder mit „Guten Tag“ und Schritt für Schritt die neue Schule aufgebaut. In der 9. Klasse haben Ihre Eltern Sie in einer solchen neuen Schule angemeldet, einige am Gymnasium Erkner, die anderen an der Gesamtschule in Woltersdorf …

Vor drei Jahren sind Sie angetreten, sich den Anforderungen der gymnasialen Oberstufe zu stellen. Sie waren damals 57 Schüler. Bis zum zweiten Semester der Jahrgangsstufe 13 ist diese Zahl auf 47 geschrumpft. Davon haben 42 Abiturientinnen und Abiturienten die allgemeine Hochschulreife erreicht. Ihnen gilt heute unser besonderer Glückwunsch, allen voran Andreas Büttner und Iris Rollert mit den besten Ergebnissen. Bald trennen sich Ihre Wege. Sechs Jungen gehen zur Bundeswehr, zwei werden ihren Zivildienst ableisten. 21 von Ihnen werden in den nächsten beiden Jahren einen Beruf erlernen. Die meisten davon haben ein anschließendes Studium geplant. Andere legen erst einmal eine kreative Pause ein. Auf jeden Fall haben Sie konkrete Vorstellungen über Ihre Zukunft, und das ist gut so. In wenigen Minuten werden Sie es amtlich gesiegelt in den Händen halten, Ihr Abiturzeugnis. Ergebnis von drei für Sie nicht immer ganz leichten Jahren, Ergebnis von viel Fleiß bei dem einen, teilweise geschickter Rhetorik, Ausdrucksstärke und Cleverness bei dem anderen. Sie haben einen besonderen Abschluss erreicht, machen Sie etwas daraus! Ihr Zeugnis ist in allen Staaten der europäischen Gemeinschaft anerkannt, nutzen Sie Ihre Chancen und Ihre Jugend! Denken Sie aber auch daran, dass das Leben nicht nur aus Arbeiten besteht und Geld allein nicht glücklich macht.

Ich möchte Ihnen ein Zitat des chinesischen Philosophen Konfuzius mit auf den Weg geben: „Der Mensch hat drei Wege, klug zu handeln: Erstens durch Nachdenken. Das ist der edelste. Zweitens durch Nachahmen. Das ist der leichteste. Drittens durch Erfahrung. Das ist der bitterste.“

Bleiben Sie gesund und denken Sie manchmal an Ihre Schule zurück.

 
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