Ohne Europa keine neue Dachrinne

Diskussion am Erkneraner Gymnasium mit dem EU-Parlamentarier Christian Ehler

von Joachim Eggers

Erkner - Wie weiter mit dem Verfassungsentwurf für die Europäische Union nach dem Nein der Holländer und Franzosen? Das war die Leitfrage einer Diskussion, zu der der Verein "Bürger für Europa" am Freitag den Erkneraner bundestagsabgeordneten Jörg Vogelsänger (SPD) und den Abgeordneten im im Europäischen Parlament, Christian Ehler (CDU), eingeladen hatte. Der bestimmt die Veranstaltung weitgehend - in einer Art und Weise, die nach dem Beifall zu urteilen, ganz offensichtlich den Geschmak der etwa 100 Oberstufen-Schüler des Gymnasiums traf.
Wortreich versuchte der Christdemokrat den Schülern klar zu machen, dass es keine Alternative zu Europa gebe. "Es ist nicht die Frage, ob Sie sich für Europa interessieren, sondern Europa wird für Sie und alles, was ihr Leben bestimmt eine Realität sein", sagte Ehler und verwies darauf, dass jetzt schon ein Drittel der Summe, die in Brandenburg für Investitionen zur Verfügung steht, aus den Töpfen der Europäischen Union kommt. Ohne Europa, so Ehler, werde man auch am Gymnasium in Erkner keine neue Dachrinne anschrauben können.
Zweites großes Leitmotiv in Ehlers Ausführungen: Die Europäische Union als Friedenswerk. Seit 900 Jahren sei Brandenburg nie mehr als 50 Jahre von kriegerischen Verwicklungen verschont geblieben. Als eine Schülerin die These vom Frieden-stiftenden Effekt der europäischen Einheit in Frage stellte, weil doch in Nordirland und in Spanien wieter Bürgerkrieg herrsche, wusste Ehler das Argument zu seinen Gunsten umzumünzen. Bei diesen beiden Konflikten biete die europäische Ebene gerade eine Lösungsmöglichkeit, viel mehr jedenfalls als der jeweilige nationale politische Rahmen.
Kontrovers wurde die anderthalbstündige Veranstaltung nur ansatzweise bei einer Frage nach der ablehnenden Haltung der CDU zum Türkei-Beitritt. Ehler trug die Position seiner Partei vor, verwies auf Defizite zum Beispiel bei den Frauenrechten. Vogelsänger dagegen hob hevor, dass die Aussicht auf einen Beitritt viele positive Änderungen in solchen Fragen in der Türkei befördert habe.
Am Schluss machte Ehler den Schülern ein Angebot. Wenn sie es verstünden, ihre Fragen polistisch zu formulieren, so dass sie eine gwisse Substanz hätten, werde er daraus eine parlamentarische Anfrage machen, die Antwort dem Gymnasium zuleiten und zwei Schüler nach Brüssel einladen, um ihnen den dortigen Polit-Betrieb zu zeigen.

MOZ - Sonnabend/Sonntag, 03./04. Dezember 2005

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