Gymnasium im Qualitäts-Check
Visitatoren nahmen Erkneraner Carl-Bechstein-Gymnasium als erste Schule im Landkreis Oder-Spree unter die Lupe
von Elke Schlegelmilch
Erkner - Einem besonderen Qualitäts-Check hat sich jetzt das Erkneraner Carl-Bechstein-Gymnasium gestellt - als erste Einrichtung ihrer Art im Landkreis Oder-Spree. Am Montag und Dienstag verfolgten drei sogenannte Schulvisitatoren im Auftrag des Brandenburger Bildungsministeriums das Unterrichtsgeschehen und nutzten die Gelegenheit zu Gesprächen mit Lehrern und Schülern. In einer ersten Auswertung stellten die neugierigen Gäste laut Schulleiter Rüdiger Konertz den Bechsteins ein gutes Zeugnis aus.
Ende März soll den Erkneranern der "Schulbericht" des Visitatorenteams in der vorläufigen Fassung zugehen, so Konertz. "Wir können dann unsere Stellungnahme dazu abgeben, so dass voraussichtlich Ende Mai die endgültige Fassung vorliegen wird."
Ziel der ganzen Aktion sei, innerhalb von fünf Jahren alle öffentlichen Schulen des Landes Brandenburg extern zu bewerten. "Der Check erfolgt überall nach denselben Bewertungsmaßstäben, um landesweite Trends, Stärken und Schwächen der Schulen
herauszuarbeiten", sagte Konertz. Vom Brandenburger Bildungsministerium sei geplant, solch eine Qualitätsprüfung alle fünf Jahre zu wiederholen.
Bei dem Visitations-Team
handle es sich um ausgewählte qualifizierte Leute, so zum Beispiel um Schulleiter, Mitglieder der Schulaufsicht aus den Schulämtern und um hauptberuflich mit Bildung befasste Beamte. Auch eine Pädagogin des Bechstein-Gymnasiums selbst, die Mathematiklehrerin Kerstin Schwenke, gehört laut Konertz zu den Visitatoren, die an iherer eigenen Einrichtung aber grundsätzlich nicht zum Einsatz kämen.
Die Bechsteiner übernahmen auf Vorschlag von Schulrätin Regina Schenk die Vorreiterrolle bei der Schulvisitation im Landkreis Oder-Spree. "Erfahren haben wir davon Ende vorigen Jahres", sagt Konertz. Das Gymnasium habe die Gesprächsteilnehmer benennen dürfen. In Absprache mit der Schülerkonferenz hätten die Gymnasiasten so beispielsweise selbst entschieden, wer von ihnen sich dem Gespräch stellt. Einzige Bedingung: Jede Klassenstufe musste vertreten sein.
Im Laufe der beiden Check-Tage waren die Visitatoren so bei fast allen Pädagogen in allen Jahragangsstufen und in allen Fächern präsent. "Als stille Zuhörer, ohne in den Unterricht einzugreifen", sagt der Schulleiter.
Er wertet es als Anerkennung und Bestätigung für alle Beteiligten an der Schule, dass die erste Rückmeldung der Visitatoren viel Positives enthält. So wird zum Beispiel der Kontakt zwischen Kollegen und Schülerschaft als sehr gut bewertet. "Unsere Lehrpläne wurden als vorbildlich und zukunftsweisend, der Unterrichtsausfall als unterdurchschnittlich gering eingeschätzt." Zudem sei sowohl der Schulleitung als auch dem Schulleiter attestiert worden, dass sie erkennbar die Motivation des Lehrerkollegiums förderten.
Auch die ersten Anregungen, die ebenfalls in der Rückmeldung enthalten sind, sieht Konertz als hilfreich für die künftige Arbeit am Bechstein-Gymnasium. Die Visitatoren regten unter anderem an, die individuelle Förderung von Schülern in einem Förderkonzept zu dokumentieren.
Wie Rüdiger Konertz auf MOZ-Nachfrage sagt, sei vorgesehen, den Schulbericht nicht nur in den verschiedenen Gremien des Bechstein-Gymnasiums zu diskutieren, sondern diese Diskussion in konkrete Schlussfolgerungen für den Schulalltag umzumünzen.
Neben Chancen zur Verbesserung der schulischen Arbeit habe solch ein Check allerdings auch Grenzen. "Es wird zwar eine Fülle von Qualitätsfaktoren erhoben, aber es geht dabei nicht um eine Prüfung der Richtigkeit beziehungsweise der Qualität des Fachunterrichts", sagte der Erkneraner Schulleiter.
MOZ - Freitag, 03. März 2006 |