Bechstein-Gymnasiast ist "Vinnie"

Der 18-Jährige Remo Schulze spielt eine Hauptrolle in der ARD-Kinderserie "Endlich Samstag!"

Von Elke Schlegelmilch

Erkner - Sich aufs Abi vorbereiten und vor der Kamera stehen - diesem Spagat hat sich Remo Schulze, Schüler am Erkneraner Carl-Bechstein-Gymnasium, zwischen Mai und September dieses Jahres gestellt. Der 18-Jährige, der in Rahnsdorf zu Hause ist, übernahm eine der Hauptrollen in der ARD-Kinderserie „Endlich Samstag!" - und das, ohne für die Zeit der Dreharbeiten die Schule sausen zu lassen.
Der Spagat ist ihm geglückt, meinen heute Eltern, Lehrer, Freunde - und offenbar auch die jungen Zuschauer. Denn die 26-teilige, für 8- bis 14-Jährige gedachte Serie, die seit dem 11. November immer samstags ab 8.25 Uhr im Ersten über den Bildschirm flimmert, hat eine beachtliche Einschaltquote. "Knapp 30 Prozent der Kinder schalten regelmäßig bei 'Endlich Samstag!' ein", weiß Remo von den Femsehmachern.


Die Aufregung steht Remo Schulze (links) im Gesicht. Der 18-
Jährige Erkneraner Gymnasiast, der in der ARD-Kinderserie
"Endlich Samstag!" eine der Hauptfiguren - den Vinnie - spielt,
bei einem Foto-Termin mit anderen Darstellern.

Kein Wunder. Denn der Titel ist Programm: Die Episoden spielen immer am Samstag. Und Schule ist kaum ein Thema. Die Protagonisten Vincent - den spielt Remo - , Philippa, Sven, Maxine, Lorenz, Ela, Georg, Suse, Jule und Felix sind eine Clique mit einer Band. Jeder von ihnen hat Träume, Wünsche, Ängste, kleine und große Sorgen, so wie alle ihrer Altersgefährten.
Wie der Erkneraner Gymnasiast zu der Hauptrolle gekommen ist? "Blanker Zufall", sagt Remo, der sein Taschengeld ab und an damit aufbessert, dass er als Kleindarsteller agiert. Eine Berliner Agentur führt ihn in ihrer Kartei. Und so stand er als Komparse schon in der Vorabendreihe "Gute Zeiten Schlechte Zeiten" und in der Kinderserie "Schloss Einstein" vor der Kamera.
Für "Endlich Samstag!" hatten die Fernsehleute zunächst unter mehr als 1000 Kindern und Jugendlichen aus Bamberg und Umgebung zehn Darsteller für die Hauptrollen gesucht. Aber zwei Wochen vor dem Drehstart hatten sie immer noch keinen für Vincent, genannt "Vinnie", den 16-Jährigen, der sich in der Geschichte mehr oder weniger erfolgreich als kleiner Manager einer Band versucht.
Durch die Agentur seien die Regisseure dann auf ihn aufmerksam geworden, erzählt Remo. "Das ist der passende Typ", stellten die Filmemacher beim Casting fest. Als der Bescheid zu Hause eintraf, beriet sich der Junge mit seinen Eltern. Zunächst sah nur der Vater, Nachrichtensprecher beim RBB, die Sache positiv: "Das ist die einmalige Chance, die solltest du einfach nutzen." Remos Mutter hingegen, Lehrerin von Beruf, war skeptisch. "Mama ließ sich erst nach langen Gesprächen über Für und Wider doch überzeugen und meinte: 'Wenn du das wirklich hinkriegst - Schule und Drehen - dann soll es mir recht sein'", erzählt der junge Mann.

Dass er es hinbekommen hat, dafür ist Gerd Nordheim, Oberstufenkoordinator am Bechstein-Gymnasium, ein Kronzeuge. Er hat die Vereinbarung ausgearbeitet zwischen Remo und dem Gymnasium - mit konkreten Festlegungen für beide Seiten, um den Spagat zwischen Schule und Dreharbeiten zu meistern.
Eins war von vornherein klar: Remo wird nichts geschenkt, trotz Doppelbelastung. Der Gymnasiast bekommt zwar eine begrenzte Freistellung, aber er verpflichtet sich auch, den versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen, alle Tests und Klausuren mit- oder nachzuschreiben.
Dass das geklappt hat, ist nicht nur Remos Fleiß zuzuschreiben - "Ich möchte ja auch ein schönes Abi bauen". Wie der Dreizehntklässler sagt, habe er sich während der Dreharbeiten auf seine Freunde verlassen können, wie Lisa Wendler, Felix Lieschke, Juliane Bauer und Loreen Hundertmark. Und auch von den Lehrern sei er unterstützt worden. "Sie haben mir zum Beispiel Material mitgegeben, so dass ich auch am Drehort Bamberg arbeiten konnte."
Remos Berufswünsche haben sich übrigens durch den Ausflug ins Filmgeschäft nicht geändert. Schauspieler zu werden, das komme für ihn bislang nicht in Frage - trotz vorhandener musischer Begabung. Spielt Remo doch seit knapp zehn Jahren Gitarre und hat bei den Bechsteins auch den Leistungskurs Musik belegt.
Ein halbjähriger Aufenthalt als Austauschschüler in Australien hat ihn seine Liebe für den Kontinent am anderen Ende der Welt entdecken lassen. Und weil er auf jeden Fall "was Handwerkliches" machen will, stehen eine Ausbildung als Schreiner und eventuell ein Management-Studium auf dem Lebensplan.
Denn der 18-Jährige träumt davon, in Australien eine eigene Surfschule zu betreiben und obendrein in seiner eigenen Firma tolle Bretter für Wellenreiter herzustellen.

MOZ, 29.12.2006

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