Woltersdorf laufen die Schüler weg

Wieder stirbt eine staatliche Oberschule / Fürstenwalder und Saarower Einrichtungen haben genügend Siebtklässler

Fürstenwalde/Woltersdorf Freude in Fürstenwalde und Saarow, Trauer in Woltersdorf: Während die 1. Oberschule in Fürstenwalde mit 51 künftigen Siebtklässlern der drohenden Schließung entgeht, wählten nur zehn Eltern für ihr Kind die Woltersdorfer Oberschule. Das bedeutet das Aus spätestens zum Sommer 2010. Mit 32 neuen Schülern überlebt hingegen auch die Bad Saarower Oberschule. Ungefährdet war die Realschule Erkner.

"Wir haben nur zehn Schüler mit Erstwunsch Oberschule Woltersdorf", sagt Schulrätin Elke Dengler vom Staatlichen Schulamt Frankfurt (Oder). "Zweitwünsche kamen nicht zum Tragen, weil alle benannten Schulen nicht übernachgefragt waren." Für die Woltersdorfer Schule bedeutet dies nun das Aus, weil dort im vergangenen Jahr schon keine siebten Klassen mehr zustande gekommen waren.

Aufgrund einer Sonderregelung hätten in diesem Jahr schon 24 Anmeldungen für das Weiterbestehen der Schule gereicht. "Wir favorisieren nun für Woltersdorf ein Auslaufmodell. Über die Grundschule haben wir die Lehrer, um die verbliebenen 82 Schüler in den 9. und 10. Klassen zu unterrichten", so die Schulrätin am Montagabend auf einer Sondersitzung des Woltersdorfer Sozialausschusses.

Auch die 1. Oberschule in Fürstenwalde hat derzeit keine 7. Klassen und kippelte. Trotzdem wird sie überleben, denn jetzt sind die beiden Fürstenwalder Oberschulen mit 51 und 52 Anmeldungen gleichauf.

Die 51 Siebtklässler an der 1. Oberschule stammen größtenteils aus Fürstenwalder Grundschulen, sagte Elke Dengler. Fünf kommen aus Erkner, Heinersdorf, Spreenhagen, Bliesen und Bad Saarow. Überraschend sei der Ausgang eher nicht, "da genügend Grundschüler vorhanden sind, nicht wie im Vorjahr". 49 Eltern wählten die 1. Oberschule mit Erstwunsch, 52 die 2. - und 30 die Saarower Oberschule. "Hinzu kommen bei diesen drei Einrichtungen die Zweitwünsche von Schülern, die den Probeunterricht am Gymnasium nicht bestanden haben."

Den nicht unbedingt zu erwartenden Erfolg schreibt Bärbel Podeswa, Leiterin der l. Oberschule, wesentlich den Anstrengungen der Lehrerschaft zu: "Wir haben richtig gewirbelt." Vorlese-Nachmittage an den Grundschulen und viele andere Veranstaltungen hätten dazu beigetragen, Eltern und Schüler für das Haus an der August-Bebel-Straße zu gewinnen. Es sei klar, dass die Situation auch nächstes Jahr nicht einfacher werde. "Wir dürfen nicht nachlassen mit unserer Werbung." Ihr Kollege von der 2. Oberschule, Karl-Heinz Wittig, zeigte sich ebenfalls zufrieden. Für die Verteilung in der Stadt und die Schulwege sei es günstig, wenn es bei zwei öffentlichen Oberschulen bliebe.

Neu an den Start geht eine private Oberschule in Fürstenwalde, von den Rahn-Schulen. Nach Auskunft des Bildungsministeriums von gestern ist über die Genehmigung noch nicht abschließend entschieden, aber Gründungs-Schulleiter Philipp Schittek sieht das ganz entspannt. Es fehle nur noch die Bauaufsicht, die komme nächste Woche. Die Einrichtung will mit einer Klasse beginnen, die maximal 24 Schüler haben soll. Sie sei "annähernd gefüllt", so Schittek. Am Freitag, beim Tag der offenen Tür, sollen die letzten Verträge gemacht werden. Die Schüler kämen teils auch aus dem weiteren Umfeld.

Entwarnung auch in Bad Saarow: Die Oberschule darf mit 32 Anmeldungen zwei Klassen aufmachen. "Erleichtert und glücklich" sei er, sagte Leiter Wolfgang Mertke.

Die Oberschule Erkner indessen war ungefährdet, Sie verbuchte 47 Erstwünsche - plus 9 Zweitwünsche aus Woltersdorf. Das Gymnasium Erkner kommt auf 75 Erstwünsche, das in Rüdersdorf auf 94. Für Privatschulen zählt Elke Dengler insgesamt 323 Erstwünsche, "davon 197 für Gymnasien und 126 für Oberschulen." Diese Zahlen beziehen sich allerdings auf den Schulamtsbezirk Oder-Spree, Märkisch-Oderland und Frankfurt. "Die meisten betreffen aber Oder-Spree."

Freude also in Fürstenwalde und Saarow, Trauer in Woltersdorf: "Ich finde es schade, dass uns nicht genug Zeit geblieben ist weiter zu entwickeln, was wir angeschoben haben", sagte Schulleiterin Ute Schädlich. Ob sie in Woltersdorf bleibt - dazu wollte sie sich nicht äußern.


Von Ingolf Bunge und Joachim Eggers

Märkische Oderzeitung - 23. April 2008

zurück zur Übersicht nach oben