Schüler drängeln und verkeilen sich

Riesenansturm auf einen Bus am Erkneraner Gymnasium / Verkehrshelfer sollen für Ordnung sorgen

Von Ingolf Bunge

Erkner (MOZ) Mittags kurz vor 14 Uhr herrscht Chaos in der Buchhorster Straße: Wenn der 436er Bus am Erkneraner Gymnasium vorfährt, beginnt ein kreuzgefährliches Gedrängel. Um die Situation zu entschärfen, sind jetzt Verkehrshelfer wie am ovalen Kreisel und selbst ein „Drängel-Gitter" in der Diskussion.

„Das nervt total. Meist sind's die Kleineren, die drängeln", sagt Saskia Grüßel aus Woltersdorf. Und die Security im Bus, ergänzt Jennifer Owtscharenko aus Woltersdorf, mache überhaupt nichts. Die Drängler kämen oft von der Oberschule. Und Angelique Schmidt (ebenfalls aus Woltersdorf) merkt an: Wer seinen Busausweis fallen lasse, gerate beim Aufheben in Gefahr, totgetrampelt zu werden. Der 436er Bus fährt zum Erkneraner ZOB und dann weiter nach Woltersdorf und Schöneiche; am Bahnhof Erkner steigen die Schüler um, die nach Grünheide und Spreenhagen fahren.
"Es wird so gedrängelt, dass sich die Schüler gegenseitig verkeilen", räumt auch der Erkneraner Standortleiter des Busverkehrs Oder-Spree (BOS), Frank Kelch, ein. „Es hat Formen angenommen, dass Kraftfahrer sagen, sie wollen die Verantwortung nicht mehr übernehmen." Schließlich könne ganz schnell ein Schüler unter den Bus rutschen. Die Probleme sind also bekannt, und die Verantwortlichen suchen nach Lösungen.
Dabei setzt der BOS bereits einen großen Gelenkbus ein. Doch alle Fahrgäste müssen vorn beim Fahrer einsteigen und ihre Bus-Ausweise vorzeigen. „Wir haben schon die Streckenführung geändert", sagt Kelch. Der Bus fährt jetzt gerade vor, statt aus der Heinrich-Heine- in die Buchhorster Straße einzubiegen. Und ebenfalls aus Sicherheitsgründen halten die Fahrer meist einige Meter vor dem Haltestellen-Schild. Aber gegen Drängeln hilft das nicht. Aus der Stadtverwaltung kommen nun drei Vorschläge, wie Tiefbauamts-Mitarbeiter Clemens Wolter sagt:
- den runtergefahrenen Naturbordstein austauschen, um auf die übliche Haltestellen-Bordhöhe von 18 Zentimetern zu kommen und so besser Straße und Fußweg zu trennen,
- die Fläche vergrößern, auf der die Schüler warten,
- und ein sogenanntes Drängelgitter aufzustellen.
Von einem solchen Gitter allerdings rät BOS-Experte Kelch ab: „Dann stehen vielleicht auch Schüler vor dem Gitter, wenn der Bus kommt. Das wäre noch gefährlicher." Er favorisiere, dass dort zwei Verkehrshelfer etwas für Ordnung sorgen.
Das stößt bei der Gesellschaft für Arbeits- und Sozialrecht (Gefas), unter deren Regie das 1,50-Euro-Projekt der Verkehrshelfer in Erkner läuft, auf offene Ohren. Derzeit sorgen die Leute in orangenen Warnwesten dafür, dass morgens bis mittags Fußgänger und vor allem kleinere Schüler sicher über die Straßen am ovalen Kreisel kommen. Es wäre schön, wenn wir an der Buchhorster Straße helfen könnten. Aber auch am Kreisel Frie- densplatz wären Verkehrshelfer dringend notwendig", sagt Gefas-Regionalleiterin Sonja Krämer. Melina Schniegler, die bei der Gefas für das Projekt Schulwegsicherung zuständig ist, sagt, sie brauchte drei Leute an der Buchhorster Straße, und zwar von 13.30 bis 14 Uhr. „Und anfangs sollte auch die Polizei dazukommen." Nun müssen die Gefas-Mitarbeiterinnen darüber verhandeln, ob sich ihr Projekt aufstocken lässt.

Riesen-Andrang: Der Bus kommt, und alle wollen möglichst schnell durch die eine Tür rein.
Foto: MOZ/Ingolf Bunge


MOZ - 24./25. Januar 2009

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