Wo Musik auf Handwerk trifft

Der Schöneicher Felix Petersik lernte in Tirol Instrumentenbau und wurde damit bester Lehrling Baden-Württembergs

Von Joachim Eggers

Schöneiche (Moz) Am Wochenende kam er mal wieder zu Besuch in die Heimat, heute steht er längst wieder in der Werkstatt in Osttirol: Felix Petersik aus Schöneiche hat dort eine Lehre als Metallblasinstrumen-tenmacher, so heißt das offiziell, absolviert - und wurde als bester Instrumentenbau-Lehrling ausgezeichnet.

Wobei der 23-jährige Schöneicher diese Auszeichnung gar nicht in Österreich bekam, sondern in Baden-Württemberg. Sein Lehrmeister empfahl ihm, die Berufsschule im benachbarten Deutschland zu besuchen statt in Wien. So absolvierte der junge Brandenburger den theoretischen Teil seiner Ausbildung im Ludwigsburg, 20 Kilometer nördlich von Stuttgart. Wie kam der groß gewachsene junge Mann überhaupt darauf, sein berufliches Glück im Instrumentenbau zu suchen? »Ich habe schon mit neun Jahren begonnen, Trompete zu spielen", erzählt Felix Petersik. Das Handwerk war ihm in die Wiege gelegt - der Vater ist Tischler. So war bald klar, dass es etwas werden sollte, das die Musik mit dem Handwerk verbindet. Eine Mit-Musikantin brachte ihn dann auf die Idee mit dem Instrumentenbau, und bei einem Familienurlaub in Tirol entdeckten die Petersiks die Werkstatt, die Felix' Ausbildungsstätte werden sollte. „Meine Eltern sind einfach reingegangen und haben gefragt, ob ich dort mal ein Praktikum machen dürfte". Felix durfte -2006, als er noch in Erkner das Gymnasium besuchte. Ein weiteres Praktikum schloss sich an, und als 2008 das Abitur abgelegt war, zog der junge Schöneicher im September mit gerade mal 20 Jahren nach Lienz und nahm eine der begehrten Lehrlingsstellen in Beschlag. Dass er sich gut gemacht hat, das hat ihm dann die deutsche Berufsschule bescheinigt. Seine Mutter Kathrin führt den Erfolg auch auf die musikalische Ausbildung in der Heimat zurück. Felix war lange Mitglied des Brandenburgischen Jugend-Gardeblasmusikkorps Fürstenwalde und spielte in „Joe's Big Band" von Ex-Musikschul-Chef Joachim Seidler aus Fürstenwaide. Jazz - das ist auch im Instrumentenbau seine Musikrichtung.
Musikalisches Grundverständnis, sagt Felix Petersik, sei elementar für sein Handwerk. Als Instrumentenbauer will er sich nicht mit den Massenproduzenten messen, sondern auf Individualität und Qualität setzen. Und dazu brauche er ein gutes Gehör, ein Grundverständnis für die Instrumente. Felix Petersik erkennt auch Mängel von Instrumenten durch Anspielen. „Ich habe schon einmal aus einer Tuba einen kleinen Notenständer geholt", erinnert er sich - der war für einen Missklang verantwortlich.
Jetzt ist der Schöneicher erst einmal Geselle. Langfristig läuft es auf Selbständigkeit hinaus, das war für ihn von Anfang an klar. Wo - das ist noch offen. Seine Freundin - aus Bad Saarow - studiert inzwischen in München. Einerseits bewundert er das reichhaltige Musikleben, andererseits stört ihn die oft uneindeutige Haltung der Österreicher. Erst in der Fremde, hat Felix Petersik gelernt, „merkt man, wovon man ausgeht".

Das Gesellenstück: Felix Petersik bläst in ein Flügelhorn, das er während eines Praktikums bei einem Instrumentenbauer in England angefertigt hat.

Foto: MOZ/Joachim Eggers

 


MOZ  14.12.2011

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