Zeitzeugengespräch: Ingeburg Geißler
Kultur · Werte · Persönlichkeit
Eine ganz besondere Geschichtsstunde
Am Freitag, den 8. Mai 2026, empfing das Carl-Bechstein-Gymnasium einen Gast von besonderer historischer Bedeutung. Frau Ingeburg Geißler (*1932 in Erfurt), die das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte, war bei uns zu Gast. 81 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa berichtete sie uns über Erinnerung, Verlust und Hoffnung.
von Anuk Kühn (11a), CBG
am 08. Mai 2026
Eine einmalige Begegnung gegen das Vergessen
Eine Begegnung mit der Zeitzeugin Ingeburg Geißler, einer Überlebenden des schrecklichsten Verbrechens des 20. Jahrhunderts – des Holocausts
Gespannte Stille füllt die Aula am 8. Mai 2026 um 10 Uhr. Nach einer musikalischen Einführung eröffnen zunächst Alexander Butscher, Oberstufenkoordinator des CBG, und der Bürgermeister der Stadt Erkner, Henryk Pilz, die Veranstaltung an diesem Freitagmorgen.
Greifbare Geschichte:
Von Ausgrenzung, Deportation und Überleben
Anschließend wird Frau Geißler dem 11. Jahrgang durch Sarah Friedrich von der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" vorgestellt. Dass dieses Gespräch die wohl erste und angesichts der Anzahl verbliebener Zeitzeugen, wahrscheinlich letzte persönliche Begegnung mit einer Überlebenden des Holocaust darstellt, lässt sich an der Ergriffenheit des Publikums deutlich ablesen: ernste, bedrückte Gesichter im ganzen Raum, hier und da Tränen. Die Erzählung von Frau Geißler unterscheidet sich in ihrer Emotionalität stark von den uns bekannten Lehrbuchtexten. Vor allem durch die Ergänzung historischer Bilder ihres Lebens, wie etwa von ihr und ihrer Familie oder den Briefen ihres Vaters aus dem unfreiwilligen Exil, wird das Erzählte über die Anfänge des Nationalsozialismus und damit über die Ausgrenzung Ingeburgs als Tochter eines Juden in ihrer Kindheit noch greifbarer. Im Weiteren berichtet die Zeitzeugin über die Umstände, unter denen sie Ende Januar 1945, trotz der bereits erfolgten Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, ganz alleine im Alter von zwölf Jahren nach Theresienstadt deportiert wurde. Die Schilderung von ihrer Erkenntnis über den wahren Grund der Verschleppung ins Sammel- und "Vorzeigelager" ergänzt sie durch die ergreifende Postkarte an ihre Verwandten mit der Aufschrift: "Es ist alles gelogen, ich komme nicht wieder." Frau Geißler beschrieb die monatelange Zeit im Lager als lieblos und einsam, da ihr jegliche Bezugspersonen genommen wurden. Auch die unhygienischen Zustände und eine kurz vor der Befreiung am 8. Mai 1945 ausbrechende Typhus-Epidemie in Theresienstadt verschlechterten die Lebensbedingungen drastisch.
Befreiung, Neuanfang und ein Appell für die Zukunft
Doch trotz all dieser schrecklichen Umstände war es endlich geschafft – Ingeburg war frei und konnte zu Tante und Onkel zurückkehren. Die Erleichterung über diese glückliche Wendung in Frau Geißlers Vergangenheit wird durch den Bericht über ihr Leben nach 1945, bestehend aus Internatszeit - der schönsten Zeit ihres Lebens - und ihrem darauffolgenden Studium und Karriereweg bis hin zur Arbeit als Zeitzeugin, verstärkt. Der abschließenden Fragerunde des 11. Jahrgangs stellte sich die Rednerin mit ausführlichen Antworten und ehrlichen Überlegungen. Themen ihrer Vergangenheit sowie der politischen Gegenwart und Zukunft, von Integration bis Staatsräson, konnten aus der seltenen Perspektive einer unmittelbaren Betroffenen für das Publikum beantwortet werden. Diese spannende und zutiefst bewegende Begegnung mit Ingeburg Geißler wird, vor allem in der heutigen politisch höchst besorgniserregenden Zeit, noch lange in den Erinnerungen des Publikums fortbestehen, denn: “Nie wieder ist jetzt!"















